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  Nürnberger Zeitung 03.11.99

Unter der schwarzen Motorradlederjacke baumelt noch immer ein Kreuz. Es ist ein weißen, von einem Kreis eingefasstes Weltenkreuz. Ein Zeichen aus alten keltischen Zeiten. Für christliche Symbole hat Ernst Cran jetzt keine Verwendung mehr. Gestern trat der ehemalige Pfarrer und Musiker der "Groben Popen" auf dem Nürnberger Standesamt demonstrativ aus der evangelischen Kirche aus.

Die Entscheidung des 43-jährigen mag manchen überraschen - für ihn bildet sie den konsequenten Schlussstrich unter langwierige Querelen mit den >Organen einer Amtskirche, die ihn auf Grund seiner unorthodoxen Ansichten stets als Außenseiter behandelt hat und ihm im letzten Jahr die Anstellung als Pfarrer auf Lebenszeit verweigert hat. Vorausgegangen waren ein umstrittener Video-Auftritt von Crans Band im Talar und seine in einer Predigt vorgetragene Kritik am Apostolischen Glaubensbekenntnis.
Für Cran, der zur Zeit freiberuflich tätig ist und neben - wohlgemerkt außerkirchlichen - Trauungen und Trauerfeiern seine seelsorgerischen Fähigkeiten als Berater und "Coach" anbietet, bedeutet der Behördengang (Gebühr: DM 62,-) zugleich einen generellen Abschied von der "Weltanschauung Christentum", die wir andere "Erlösungsreligionen" heutzutage überflüssig sei. "Was die Welt braucht, ist Heilung statt Erlösung." Die Kirche beharre in ihrem Menschen- und Gottesbild auf den "Denkvoraussetzungen der Antike wie des Mittelalters", und die könne er in der "dogmatikfreien Zone" seines Arbeitszimmers nicht mehr tolerieren.
Reaktionen auf seinen Austritt - nein, die erwarte er nicht. "Ich tu das nur für mich", sagt Ernst Cran, und will, dass sein Leben "stimmig" ist. Gleichwohl nutzt er, als medienbewusster Selbstdarsteller, die Gelegenheit, um als "Abschiedsgruß" die Frage "Hat die Kirche Zukunft?" auf einem Flugblatt mit thesenhafter Insistenz zu verneinen. Die Kirche sei "ein äußerst schlechter Arbeitgeber" und "wäre als Firma längst konkurs" gegangen, kümmere sich nur um eine "verschwindend kleine Minderheit" und die "eigene Existenzsicherung".
Was ihr fehle, sei der Mut zur Veränderung, der Mut, ihre "menschlichen" Ursprünge einzusehen und "der Mut, sich ihrer theologischen Lebenslüge zu stellen": dass aus der Gottessuche Jesu eine nur der "Machtausübung und Kontrolle" dienende Institution geworden sei. "Statt Wege in die Freiheit wurden Wege in die kirchliche Abhängigkeit geschaffen."
Vielleicht ist Cran wirklich ein Ketzer. Aber er ist auch jemand, der sich wirklich Gedanken macht und es wagt, sie laut zu denken. Dass seine Zweifel, berechtigt oder nicht, jetzt von "außen" kommen, und nicht mehr aus dem System "Kirche" selbst, ist in gewisser Hinsicht wohl ein Verlust. lupus

 

   BILD 03.11.99

Nürnberg - Der Grobe Pope Ernst Cran (43) will nicht mehr. Der Bassist und Pfarrer legte gestern 62,- Mark auf den Tisch der Kasse des Nürnberger Standesamtes und trat aus der evangelischen Kirche aus. "Mit einer Religion, die sich der Liebe verschrieben hat, aber immer einen Leichnam vor sich her trägt, kann ich nichts mehr anfangen."

Die evangelische Landeskirche hatte dem avangardistischen Pfarrer in der schwarzen Lederjacke im März vergangenen Jahres die Übernahme in ein Pfarrerdienstverhältnis auf Lebenszeit verweigert. Begründung: "Er genügt in Lehre und Lebensführung nicht." Im August 1998 endete sein Dienstverhältnis als Pfarrer zur Anstellung nach einem spektakulären Auftritt seiner Rockband "Die Groben Popen". Jetzt will der "Grobe" frei arbeiten. "Seelsorger für Private und Firmen. Nur keine Manager-Gruppenseminare. Für alle, die mit der Kirche Schwierigkeiten haben". Also auch Eheschließungen unter Gleichgeschlechtlichen? "Ja, die Schwulenehe ist für mich ein Thema, gegen das sich die Kirchen lange zu unrecht wehrten."

AZ 03.11.1999

 

Sonntagsblatt 14.11.99

Konsequenter Ernst Cran: Austritt aus der Kirche vollzogen

Nürnberg. Der "Grobe Pope" Ernst Cran ist aus der Kirche ausgetreten. "Ich verabschiede mich von der Weltanschauung Christentum", erklärte der evangelische Ex-Pfarrer und Bassist der Rockband "Die Groben Popen" am Dienstag im Standesamt Nürnberg. Mit einer Religion, "die sich der Liebe verschrieben hat, aber immer einen Leichnam vor sich her trägt", könne er nichts mehr anfangen.

Die Landeskirche hatte im vergangenen Jahr den Pfarrdienst des 43-jährigen beendet, weil er den Anforderungen "in Lehre und Lebensführung" nicht genüge. Vorangegangen war eine Reihe von Provokationen, darunter ein spektakulärer Video-Auftritt der Groben Popen im Talar. Zuletzt hatte Cran eine Teilzeitbeschäftigung in der Abteilung "Missionarische Dienste" der Stadtmission Nürnberg. Damit war jedoch vor vier Monaten ebenfalls Schluss, weil er eine "Liturgische Schlachtschüssel" veranstaltet hatte mit der Kernaussage: "Das Abendmahl kann bestenfalls als Leichenschmaus für Jesus gesehen werden". Mit dem Seelenheil habe der Tod Jesu jedenfalls nichts zu tun. Cran bezeichnet sich heute als "freiberuflicher Künstler, Autor und Berater". Erbietet Trauzeremonien, Scheidungsrituale und Beerdigungen an. "Ich habe die Überzeugung gewonnen, dass Erlösungsreligionen überflüssig sind", begründete Cran seinen Kirchenaustritt. Die Welt brauche nicht Erlösung, sondern Heilung.

In "Zehn Thesen zum Abschied" geht er mit der Kirche hart ins Gericht: Sie sei ein aus menschlichen Interessen entstandenes Gebilde, das weder von Jesus gewollt noch durch eine göttliche Verfügung eingesetzt worden sei. Seine theologische Bibliothek will Cran an Antiquariate abgeben. Sein Arbeitszimmer habe er zur "dogmatikfreien Zone" erklärt, sagte er. Statt des Kreuzes werde er künftig ein ringförmiges sogenanntes "Keltenkreuz" tragen, für ihn "ein Symbol von universaler Harmonie und göttlicher Energie". Peter Reindl

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