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Happy Birthday Jesus! |
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Laudatio für das Geburtstagskind Lieber Jesus, - ich darf dich doch so nennen? Ich meine: Sicher haben deine Eltern dich damals anders gerufen - Joshua wahrscheinlich; ein schöner, alter jüdischer Name. Aber seit Latein die übliche und für viele Jahrhunderte einzig erlaubte Sprache der Religion geworden ist, die sich nach deinem Namen nennt, hat man dich halt auch übersetzt. Und so heißt du nun Jesus. Dabei will ich's einfach mal belassen - wir haben uns so sehr daran gewöhnt! Und - wenn du erlaubst - möchte ich auch auf jegliche Titel verzichten, wenn ich jetzt über dich und zu dir rede.Soviel ich weiß, hast du das eh nicht sonderlich gern gemocht. Und - jedenfalls haben wir heute den Anschein - trotzdem hat man dich sehr bald mit vielen Ehrentiteln überhäuft. |
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Sogar deine engsten Vertrauten schienen dir da manchmal über's Ziel hinausgeschossen zu sein in ihrem Bemühen, ihre Verehrung für dich zum Ausdruck zu bringen. Deshalb glaube ich, ist es dir ganz Recht, wenn ich auf all das heute verzichte und dich einfach nur mit deinem Namen anrede. Übrigens: Weißt du, daß viele denken, dein Nachname sei "Christus", so wie "Meier" oder "Kohler". Ja, das wäre eine schöne Adresse: "An Herrn Jesus Christus, Bethlehem, bei der Krippe". Ob der Brief ankäme? - Ach so, du weißt gar nicht, wovon ich rede? Natürlich - du wirst vieles seltsam finden, was man sich so von dir und über dich erzählt, und was wir Heutigen so tun, um dich zu verehren. Da du ja nun aber heute hier im Mittelpunkt stehst, werde ich dir - so gut ich es kann - einiges davon erklären - vielleicht mußt du dabei ja auch schmunzeln. Es ist Manches wirklich sehr makaber, um nicht zu sagen, daneben, was sich Menschen so ausgedacht haben, wenn sie dich meinen. - Aber der Reihe nach: Zuerst einmal vielen Dank dafür, daß du heute hier bist. Schließlich ist es eine Zeit, in der du unter ziemlichem Termindruck stehen dürftest. Aber wir waren klug: Wir haben nicht die "heißen Tage" für diese Geburtstagsfeier gewählt - da hättest du eh keine Zeit gehabt, so am 24.-26.Dezember. Wahrscheinlich könntest du dich an diesen Tagen zerteilen, um überall dabei zu sein. Vielleicht kannst du das ja auch. Wir jedenfalls sind ein wenig ausgewichen, um dich ganz sicher bei uns zu haben. Und es ist wirklich schön, daß du es ermöglichen konntest. Wieso wir gerade den 16.12. ausgesucht haben? Ganz einfach: Da hatten wir auch Zeit. Aber es hätte auch jeder andere Tag sein können. Ich muß dir nämlich gestehen: Wir wissen gar nicht, wann du Geburtstag hast! Unterlagen aus deiner Zeit liegen uns keine vor - und so richtig gefeiert wurde dein Geburtstag eh erst zwei Jahrhunderte nach deinem Abschied aus unserer Mitte. Ganz kluge Menschen haben zielsicher den 19.April als den richtigen Tag errechnet, andere den 20.Mai - und wieder andere den 17.November. Naja, und da gibt es dann noch den 6.Januar. An dem feiern auch heute noch viele deiner Verehrer deine Geburt. Den 25.Dezember - ja, den 25., nicht den 24. - haben sie erst dreieinhalb Jahrhunderte nach deinem Erscheinen auf der Erde als Geburtstags-Tag installiert - aber zu der Geschichte komme ich noch. Etwas anderes will ich vorher noch festhalten: Wir kennen nicht nur nicht den Tag deiner Geburt - uns fehlt auch das richtige Jahr dazu! Und leider, leider kriegen wir die angeblich so kompetenten Berichterstatter des "Neuen Testaments" - das ist ein Buch, das sich gern als die Gründungsschrift deiner Religion ausgibt - die kriegen wir einfach nicht unter einen Hut, wenn es um dein Geburtsjahr geht: Du wirst dich nicht dran erinnern, aber angeblich soll König Herodes der Große dir nach dem Leben getrachtet haben und alle Säuglinge deines Jahrganges in deinem vermuteten Geburtsort umbringen haben lassen. Und gleichzeitig soll in deinem Geburtsjahr eine Volkszählung stattgefunden haben unter einem gewissen Quirinius (der Name hat sich somit verewigt!). Das Dumme ist nur, daß diese Volkszählung nachweislich im Jahre 7 stattgefunden hat. Und der gute König Herodes der Große ist im Jahr "4 vor dir" gestorben. Schöner Schlamassel. 11 Jahre Unterschied. Und unsere Zeitrechnung stimmt somit auch nicht. Wir haben gar nicht 1998 - vielleicht erst 1994 - oder schon 2005! Von wegen Zeitenwende zum 3.Jahrtausend. Ganz schön relativ, die Zeit. Übrigens: Kennst du jemand namens Einstein? Ja, also so ist das: Wir kennen deinen Geburtstag nicht, wir wissen nicht, wie alt du wirklich bist. Und deshalb können wir das an jedem Tag feiern, also auch heute. Aber es geht noch weiter: Laß die mal folgende Geschichte erzählen: Es wurde einmal ein Kind geboren, das ganz außergewöhnlich war. Es war gleichsam gottgleich. Es kam vom Höchsten her und stieg hinab auf die Erde, um zwischen Gottheit und Menschheit zu vermitteln. Erlösung war seine Aufgabe, ein "Felsgeborener" wurde er genannt, Symbole seiner Macht waren der Hahn und der Schlüssel. Bei seiner Geburt haben ihn Hirten angebetet und später ging er dahin wieder zurück, von wo er gekommen war. Er nahm Platz zwischen zwei anderen und wartet seitdem auf seine Rückkehr, um auch die Toten zu erwecken und zu richten. - Diese Geschichte könntest du eigentlich kennen, denn als du geboren wurdest, war sie schon 300 Jahre alt. "Mithras" hieß dieser Knabe, um den es geht, und er war eine Personifikation der Sonne, die Sonne selbst sozusagen. Er wurde im ganzen römischen Reich deiner Zeit verehrt. Ein Zentrum dieses Glaubens war die Provinz Zilizien; das war die Heimatprovinz eines Mannes namens Paulus - aber den kennst du ja nicht. Aber hör weiter zu: Dieser Mithras hatte einen besonderen Tag, den "dies solis", den Sonntag. Und er hatte auch einen festen Geburtstag: Du ahnst es nicht - es ist der 25.Dezember. Und im Jahr 353 hat die römische Staatskirche deinen Geburtstag auf dieses Datum verlegt. Weißt du warum? Klar - der Gott sollte ausgetauscht werden: Jesus statt Mithras. Was für ein Coup! Die heutigen Werbestrategen wären begeistert über diese Neueinführung eines Produktes auf einem umkämpften Markt. Sehr gelungen: Einfach alles Bekannte und Verehrte behalten - und einen neuen Namen drüber - fertig ist das neue Angebot. Konsumzwang inbegriffen, denn Mithras war ab sofort aus dem Sortiment und auf vielen seiner Heiligtümer wurden Kirchen errichtet. Übrigens: Späte Nachlese dieser Geschichte: Unsere "Christbäume" tragen Lichter - da hat sich der alte Mithras wieder eingeschlichen, und zwar auf einem anderen Symbol, das uns Germanen die ersten irischen Mönche genommen haben: Unsere heiligen Bäume, die uns Zentrum der Gott- und Erdverbundenheit waren. Die Missionare haben die einfach abgeholzt - freilich nicht, ohne hinterher selbst oft an einem davon aufgeknöpft worden zu sein. - Jedenfalls haben wir jetzt wieder Ersatz, zumindest seit einigen Jahrhunderten: Der "Christbaum" - ein leuchtendes Beispiel unzerstörbarer archaischer Religiosität. Wir haben heute hier übrigens auf einen solchen verzichtet. Du kennst ihn ja eh nicht. Wir haben dir lieber Pflanzen aufgestellt, die auch in deiner Heimat wachsen. Apropos Heimat: Weißt du eigentlich, wo "Bethlehem" liegt? Wahrscheinlich nicht. Denn du bist ja Zeit deines Erdenlebens im Norden Palästinas umhergezogen. Nur einmal bist du in die Hauptstadt gekommen, nach Jerusalem - aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls: Angeblich bist du in Bethlehem geboren worden: Nur dumm, daß sich die angeblichen Zeitzeugen gar nicht einig sind, auf welche Weise das geschehen sein soll. Haben deine Eltern nun dort gewohnt und mußten nach deiner Geburt im Jahre "4 vor dir" nach Ägypten fliehen wegen Herodes, um von dort ins sicherere Nazareth zu ziehen - so sagt es ein gewisser Matthäus? Oder mußten sie von Nazareth nach Bethlehem marschieren, um sich wegen dem Quirinius im Jahre "6 nach dir" auflisten zu lassen - so sagt es ein gewisser Lukas? Beides gleichzeitig geht schlecht. Und wahrscheinlich wird es dir selber verdächtig vorkommen, daß du ausgerechnet in Bethlehem geboren worden sein sollst: Du weißt schon - wegen der Messiasverehrung, die du nie richtig ausstehen konntest. Als gebildeter Jude wußtest du auch, warum: Klar, der Messias mußte in der "Stadt Davids" geboren sein, sonst könnte er nicht von David abstammen. Und das war eben absolut notwendig. Kein Davids-Nachkomme - kein Messias. So einfach war das. Dumm, daß dich keiner gefragt hat. Aber wer kümmert sich schon um die Meinung eines Zimmermanns-Sohnes, wenn es um große Dinge geht. Ach ja, da sollte ich dich bei dieser Gelegenheit auch gleich aufklären: Angeblich sollst du gar nicht von deinem Vater abstammen. Nein, kein anderer Mann war da im Spiel: Gott selbst. Erschrick nicht, lieber Jesus. Das ist halb so schlimm. Du bist ja nicht der einzige gewesen, dem diese bevorzugte Behandlung zuteil wurde. Männer wie Alexander der Große (lange vor deiner Zeit gestorben) und Plato (noch länger tot) hatten auch eine Jungfrau zur Mutter. Natürlich: Für dich als Juden klingt eine solche Vorstellung ziemlich fremd. So was war in deiner Religion gar nicht vorgesehen - auch nicht in der berühmten Stelle aus dem Propheten Jesaja, die du ja kennst. Da soll eine hebräische "junge Frau" einen Sohn kriegen. Aus dieser Dame wurde dann eine griechische "Jungfrau". Aber mach dir nichts draus: Es sollte wohl als Kompliment gemeint sein. Wie auch die anderen Einzelheiten deines Geburtsherganges: Weiß du, wer noch in einer Vorratskammer für Viehfutter zur Welt kam: Kaiser Augustus - den müßtest du eigentlich kennen. Und die Hirten auf dem Hirtenfeld bei Bethlehem hatten jede Menge anderer Einsätze, wenn es um romantische und idyllische Situationen ging - ganz abgesehen davon, daß sie in der Davidsstadt natürlich an den königlichen Hirten David erinnern sollten. Mit einem Satz und knallhart gesagt: Die Geschichte über deine Geburt ist von vorne bis hinten erfunden und ausgeschmückt mit allem, was die Kulte deiner zeitgenössischen orientalischen Gottheiten und die religiöse Kaiserverehrung deiner Zeit zu bieten hatten. Ganz abgesehen davon, daß du angeblich schon vorher existiert haben sollst und sozusagen nur einen Abstecher zu uns gemacht hättest. Haben wir alles schon gehabt, lange vor deiner Zeit. Man hat es vielleicht gut gemeint, indem man dir all diese Schlappen angezogen hat. Aber du konntest dich eh nicht mehr wehren. Du warst ja eh längst irgendwo. Bevor ich's vergesse: Die Geschichte hat ja noch eine Fortsetzung: Hast du schon einmal von den sogenannten "Weisen aus dem Morgenland" gehört? Die leben übrigens noch. Wenn du ein wenig Geduld hast, kannst du sie in wenigen Wochen um die Häuser schleichen sehen. Nur, daß sie heutzutage keine Geschenke mehr bringen, sondern Geld mitnehmen. Dafür hinterlassen sie aber auch ihre Markierung an der Haustür - vermutlich, damit sie nicht aus Versehen ein zweites Mal kommen. Also: Das mit den Geschenken ist auch so eine Sache. Du hast vermutlich nichts von diesen Dingen gehabt damals, sollte es sie wirklich gegeben haben. Für uns heute sind sie zu einem wirklichen Streßfaktor geworden - auch wenn es keiner zugibt. Was da für ein Horror abgeht in den letzten Wochen vor - äh: vor dem Mithrasgeburtstag, der deiner sein soll! Wahnsinn. Insofern ist dein Geburtstag echt ein Faktor geworden. Manche von uns kriegen sogar Geld umsonst von ihren Chefs. "Weihnachtsgeld" heißt das - und das soll natürlich wieder ausgegeben werden, damit es den Chefs dann auch wieder besser geht. Jaja, schenken ist eine heiße Sache. Manchmal kriegen wir das schon hin - aber meistens dann ohne Gold und so'n Zeug, oder Drogen wie Weihrauch. Übrigens: Wäre es dir recht, wenn ich dir heute auch etwas schenken würde? Ich meine, wenn du schon einmal da bist, und wir gerade eine so passende Stimmung haben! Aber ein wenig wirst du dich noch gedulden müssen. Und vielleicht schenken dir hier auch noch einige andere etwas - jeder mit seiner besonderen Note. Ich glaube wenigstens zu wissen, mit welchem Geschenk ich dir eine Freude machen könnte. An deiner Stelle würde ich mich jedenfalls darüber freuen. Ab er jetzt einmal ganz ernsthaft: Schließlich ist das hier eine Laudatio - eine Lobrede. Und gelobt wird man normalerweise für Sachen, für die man etwas kann. Für all das bisherige konntest du ja nun wirklich nichts. Oder wärest du auf die Idee gekommen, dich als jungfräulichen Abkömmling des Sonnengottes verehren zu lassen? Oder gar als Schlachtlamm für das Weltenheil? Oder gar als ewig existierender Bestandteil einer Dreierclique in himmlischen Thronen, die je nach Erfordernis den Juniorpartner als Eingreiftruppe nach unten schickt, um nach dem Rechten zu sehen? Ich meine, gerade du als geborener Jude - übrigens: du warst ja gar kein Christ! - hättest sicher mit all diesen interessanten, aber ganz ungaliläischen Vorstellungen gar nichts anfangen können. Also: Dafür konntest du nichts - und du konntest es auch nicht verhindern. Du bist zum Objekt der Verehrung geworden, aber aus Gründen, die allesamt nichts mit dir zu tun hatten. - Wofür aber könnte ich dich dann heute loben? Was könnte ein wirklicher Anlaß sein, dich zu feiern und uns darüber zu freuen, daß es dich gegeben hat und daß du uns etwas hinterlassen hast? Natürlich gibt es einen Grund und Anlaß - sonst hätte ich diese ehrenvolle Aufgabe heute Abend auch nicht übernommen und würde meine Zeit woanders verbringen. Ich will mich deshalb bemühen, diesem Anlaß auch gerecht zu werden und das wirklich deutlich zu machen, was so lobenswert an dir ist und war. Ich weiß natürlich, daß ich damit gegen die alteingesessene Konkurrenz aller Mißverständnisse in deinem Namen anzutreten habe. Ich weiß aber auch, daß du verstehen wirst, was wirklich deine Sache war und was nicht. Und irgendwie - glaube ich - hat die Geschichte gezeigt, daß es an der Zeit ist, das wieder hervorzuheben, wofür du wirklich etwas kannst, und sich nicht mehr mit dem zufriedenzugeben, was andere dir angehängt haben, seien sie noch so prominent oder heilig. Um mich jetzt aber nicht in Allgemeinheiten und Konstrukten
zu verlieren, erlaube mir, lieber Jesus, daß ich mein Lob an dich in eine
Geschichte kleide. Es ist die Geschichte eines Mannes, der mit
ganz besonderen Augen und mit einem ganz besonderen Herzen
durch seine Welt ging. Die Geschichte eines Mannes, der etwas gesehen
und empfunden hat, was heute und hier ganz genauso gesehen und
empfunden werden kann. Laß es mich in meinen Worten sagen und in
der Hoffnung, dem nahezukommen, was deine Sache gewesen
ist und unsere Sache heute werden kann: Ein Lied, das für den Geburtstag eines Visionärs unserer Zeit geschrieben wurde, möchte ich heute - mit einem anderen Text - dir widmen. Martin Luther King hieß dieser Mann - und er starb wie du durch Gewalt; weil Menschen ihn nicht aushielten. Jetzt grüße ich dich damit. Laß es dir gefallen - und in diesem Sinne: Happy Birthday Jesus - der wievielte auch immer es sein mag! |
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