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Der GROBE POPE pflanzt eine "Eiche der Heilung"

Liebe Schwestern und Brüder ,

wir haben uns heute hier versammelt, um an diesem Ort einen Baum zu pflanzen. Eine Eiche soll es sein, eine "Eiche der Heilung". Wir haben diesen Baum, diesen Ort und auch diesen Tag mit Bedacht gewählt. "Himmelfahrt" ist der christliche Name dieses heutigen Tages. "Vatertag" ist eine andere Bezeichnung für diesen Tag. Dass diese Bezeichnung dieses Tages damit zu tun hat, dass ein bestimmter Vater sich über die endgültige Rückkehr seines Sohnes freut, gehört in den Bereich der Gerüchte! Nein: "Himmelfahrt" ist heute! Diesem Tag wollen wir die Ehre seines Namens geben und ein Lied anstimmen, das uns in himmlische Nähe zu unserem Ursprung und unseren Wurzeln bringen kann.

 

Liebe Geschwister, die ihr der Pflanzung der "Eiche der Heilung" beizuwohnen euch entschieden habt:

im Jahr 721 wurde in Deutschland ein Baum gefällt. Es war dies nicht irgendein Baum. Es war ein heiliger Baum. Und der ihn fällte, war nicht irgendwer. Es war der "Apostel der Deutschen", der angelsächsische Festlandmissionar Bonifazius. Die Donar-Eiche von Geismar war es, die er niederhieb. Dieser Baum musste sterben, damit der christliche Gott sich als der überlegene erweisen konnte. Dies sollten die damaligen Hessen begreifen. Dem Baum wurde der Saft genommen und der damaligen Religion die Wurzeln. Allein das Holz der heiligen Eiche fand Verwendung: Es diente zum Bau einer Kapelle, die dem Petrus geweiht wurde.
Liebe Geschwister: Was Bonifazius mit der Donar-Eiche tat, war in der Geschichte des Religionskolonialismus leider kein Einzelfall. Lang ist die Liste der Ereignisse und grausam sind die Inhalte der Geschichten, in denen sich die neue Religion durch den Boden der alten Kulte fraß und ihnen das Wasser zum Leben zu entziehen trachtete. So wie auf unserem eigenen Kontinent wütete die Besitzgier der religiösen Wahrheit auch auf dem neu entdeckten Erdteil Amerika und fraß mit Feuer und Schwert, was ihr in den gierigen Rachen des Missionseifers fiel. So steht das Schicksal dieser einen Eiche stellvertretend für alle Wunden, die die Klinge des Christenglaubens in die gewachsenen Böden spiritueller Einsichten aller unserer Vorfahren geschlagen hat.

 

1279 Jahre nach der Tat von Geismar ist es Zeit, ihrer zu gedenken. Es ist ebenfalls Zeit, sie wiedergutzumachen. Denn es hat sich gezeigt, dass das Neue alt geworden ist. Dass die Gewalt des Schwertes stumpf geworden ist. Dass die Fänge der Angst lahm und das Drohen des Kreuzes hohl geworden ist. Es hat sich gezeigt, dass das überlebt hat, was mitsamt seinen Wurzeln ausgerottet werden sollte. Es hat überlebt die Ahnung, dass wir dem Boden und der Sonne näher sind als einem Bischofsstab. Es hat überlebt das Wissen, dass uns die Erde ernährt und nicht Manna, das vom Himmel fällt. Es hat überlebt die Erfahrung, dass wir alle von gemeinsamen Wurzeln her uns stärken und uns nach demselben Himmel strecken - jenseits aller dogmatischen Verbiegung und manipulatorischen Verengung.

 

Liebe Schwestern und Brüder:
Deshalb ist es Zeit, eine neue Eiche zu pflanzen. Eine Eiche, wie sie in jedem Wald unserer Erde wachsen könnte. Eine von vielen - und doch eine besondere. Sie steht genauso stellvertretend für das Alte, das das damals Neue überlebt hat. Sie wird weiterwachsen, nachdem das Holz der Petruskapelle von damals schon lange vermorscht ist. Ein Sinnbild für die Lebendigkeit grundlegender Wahrheiten, die uns allen gemeinsam sind.
An diesem Tag also pflanzen wir die "Eiche der Heilung". Am Himmelfahrtstag. An Himmelfahrt verläßt Christus unseren Erdboden und begibt sich in den Himmel. Und das ist gut so. Mag er seinen Platz einnehmen in der göttlichen Trias mit der Quotenfrau Maria auf dem Notsitz. Mag Christus in den Himmel entschwinden - die erfundene Chimäre aus Gott und Mensch. Mag er seinen Platz hier auf Erden räumen und den ihm angebotenen kirchlichen Fahrstuhl annehmen.

 

Denn dann wird endlich Platz für den anderen: Für den Jesus aus Palästina. Für den Mann aus Nazareth. Für den Galiläer, den Heiler und Lebendigmacher. Für den, der eine Spur der Gesundung hinter sich herzog, wo immer er seinen Schritt hinlenkte. Da Christus entschwunden ist, darf er - Jesus - nun die Wunden schließen, die im Namen Christi geschlagen wurden. Es darf neu wachsen, was im Namen der Unduldsamkeit abgeschlagen und verwehrt wurde. Es darf der Hauch der Verbundenheit mit allem Seienden in unsere Zellen wehen. Es darf die Erhabenheit und die Größe dessen, was wir "Leben" und "Gott" nennen, sich Raum nehmen und die Bindung der Buchdeckel sprengen. Wenn Christus in den Himmel fährt, darf Jesus seine Wurzeln schlagen. Wenn das Konstrukt aus Dogmatik und Machttrieb uns verläßt, darf das Erleben unseres gemeinsamen Atems unsere Seelen füllen.

 

Die "Eiche der Heilung" - ein kleines Zeichen für diesen großen Unterschied. Wir pflanzen diesen Baum, liebe Geschwister, an einem besonderen Ort: auf dem Boden der alten St.Moritzkapelle, von der nur noch die farbig gekennzeichneten Umrisse ihrer Mauern zu sehen sind. Das Feuer des Krieges hat ihre Steine verzehrt. Das Feuer eines Krieges, der im Namen desselben Allmachtswahnes entfesselt wurde, dem auch die Heilige Eiche zum Opfer fiel. Nun ist diese Kapelle im Rachen ihrer eigenen Glut verschwunden. Und aus ihrem Boden soll das sprießen, was man durch sie zu ersetzen trachtete. Aus demselben Boden, auf dessen Altar - wie auf so vielen - das Blut des Galiläers ungezählte Male vergossen wurde, soll ein Trieb wachsen, der uns erinnert: An die Vergänglichkeit des mit Macht Erzwungenen, an den bleibenden Kreislauf von Wachstum und Veränderung. Wie ein Pfahl im Herzen des vampirischen Blutsaugers steckt, soll dieser Baum mit seinen tiefen Wurzeln den Grund der gewesenen Kapelle durchdringen und bis zu den Quellen vorstoßen, die uns alle tränken.

Liebe Schwestern und Brüder:
Städtischer Boden ist es, auf dem wir stehen. Der oberste Herr dieser Stadt aber hat verkündet, dass auf diesem Boden kein Loch gegraben werden soll. Dass kein Baum seine Wurzeln zwischen diese Pflastersteine treiben soll. Dass dieser Platz kein strebendes Gegenüber bekommen soll zu den verwitternden Steinen der Vergangenheit. Deshalb werden wir diesen Baum nur mit der Oberfläche dieses Bodens in Berührung bringen. Wir werden ihm den Platz zeigen, an dem er nicht stehen darf. Und wir werden ihm mit dreimaligem Wasserstrahl das wünschen, was wir uns von ihm als Sinnbild erhoffen. Das lasst uns nun tun.

 

Pflanzung:
An dieser Stelle soll die "Eiche der Heilung" gepflanzt sein.

Ihr Stamm möge uns ein Sinnbild werden für die Kraft unseres eigenen Wachsens und unseres eigenen Weges.

Ihre Blätter und Zweige mögen uns ein Sinnbild werden für das Geborgensein in allem, wonach unser Herz sich sehnt.

Ihre Wurzeln mögen uns ein Sinnbild werden für den gemeinsamen Mittelpunkt, dem wir alle zustreben und dem wir alle entstammen.

Auch diese Eiche wird vergehen. Aber sie wird ihre Stärke weitergeben an die, die aus ihr stammen werden. Und auch der kleinste Stamm davon wird die Kraft haben, Mauern zu sprengen. So sei es.

 

Dem Beschluß des Stadtoberhauptes zufolge darf die eigentliche "Eiche der Heilung" hier nicht gepflanzt werden. Dieser Baum - eine 5m hohe amerikanische Roteiche aus dem gequälten Land der indianischen Geschwister - wartet noch auf seinen Platz. Er sucht Asyl: Einen Boden, dem er seine Wurzeln anvertrauen kann. Luft über sich, die er mit seinen Ästen füllen kann. Raum um sich, die ihm die Beachtung seines Vorhandenseins ermöglichen.

Noch sind seine Wurzeln in einen Pflanztopf eingepfercht. Noch hat er Wasser nur zum Überleben. Der"Platz der Heilung" wurde ihm bislang verwehrt. Und doch ist dieser Platz vorhanden. Irgendjemand hat ihn. Und irgendjemand wird ihn bereitstellen.

Laßt uns nun schließen mit einem Lied von der Kraft und Macht der Vorstellung - geschrieben von einem, den sie oft genug für verrückt erklärten. Ein Visionär von einer anderen Erde: Imagine

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